• 27 JUN 16

    Spezialisierte Therapie Plantarfasziitis und Fersensporn

    Schmerzen an der Ferse bei jedem Schritt?

    Zumeist steckt eine sogenannte Plantarfasziitis dahinter. Der menschliche Fuß ähnelt in seiner Konstruktion einem römischen Bogen. Die Mittelfußknochen schließen wie Schlußsteine den Bogen, der an der Basis mit einem kräftigen Band, der sogenannten Plantarfaszie verspannt wird. Durch Fußfehlstellungen (z.B. Hohlfuß, Plattfuß) kommt es im Lauf des Lebens, typischerweise jenseits des 30. Lebensjahrs, zu Überbelastungsphänomenen zumeist an der fersennahen Ansatzstelle der Plantarfaszie. Mikroskopisch kleine Einrisse entstehen, die unser Körper zu heilen versucht. In einigen Fällen gelingt aufgrund fortwährender Überbelastung die Heilung nicht und es entstehen schmerzhafte Narben und teilweise Verkalkungen im Ansatzbereich. Werden die Verkalkungen auf dem Röntgenbild sichtbar, spricht man von einem Fersensporn. Das Fehlen eines radiologisch sichtbaren Fersensporns schließt die Diagnose einer Plantarfasziitis nicht aus.

    Pathologisch handelt es sich im eigentlichen Sinn nicht um eine klassische Entzündungsreaktion. Die Schmerzen scheinen vielmehr durch das Einsprießen von schmerzvermittelnden Nervenfasern (z.B. Substanz P) zu entstehen. Ein Grund, warum Schmerzmittel aus der Wirkstoffgruppe der sogenannten nichtsteroidalen Antiphlogistika meist nur wenig helfen (Bsp.: Ibuprufen, Diclofenac). Salben zeigen kaum Wirkung. Injektionen mit Cortison sollten aufgrund der möglichen Nebenwirkungen (irreversible Atrophie des Polsterfettkörpers an der Ferse) nur in Ausnahmenfällen erfolgen.

    Die Standardtherapie besteht im konsequenten Tragen von speziellen Plantarfasziitiseinlagen, die eine Druckbelastung des Fersensporns beim Gehen erlauben. Die Einlagen sollten während der ersten Monate ständig getragen werden, auch zu Hause. Zudem erlernen die Patienten Eigenübungen zum Dehnen der Fußsohle und der angrenzenden Muskeln. Hilfreich können auch Behandlungen mit der sogenannten Blackroll sein.

    Bei ungenügendem Ansprechen kann in vielen Fällen eine sogenannte Röntgenreizbestrahlung oder die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) hilfreich sein.

    Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Bone and Joint Surgery1 hat die Wirksamkeit der Stoßwellentherapie an 250 Patienten untersucht und konnte hierbei ein weiteres Mal die Wirksamkeit der ESWT bei der Erkrankung der Plantarfasziitis eindrucksvoll belegen. Die Studie weist den höchsten Evidenzgrad 1 auf (Maß der Qualität einer wissenschaftlichen Studie).

    Die operative Versorgung bleibt seltenen Ausnahmefällen vorbehalten, bei denen die oben beschriebenen nicht operativen Therapiemaßnahmen über viele Monate keine ausreichende Linderung bringen. Wir verwenden hierbei die ambulante perkutane Anbohrung, welche eine hohe Erfolgsquote zeigt.

     

    1Gollwitzer, Hans, et al. “Clinically Relevant Effectiveness of Focused Extracorporeal Shock Wave Therapy in the Treatment of Chronic Plantar Fasciitis.” The Journal of Bone & Joint Surgery 97.9 (2015): 701-708.

    Olaf Büttner. „Plantarfasziitis und plantarer Fersensporn“. Aus Fuss & Sprunggelenk und Sport, Herausgeber Valderrabano V, Engelhardt M, Küster H-H, Deutscher Ärzte Verlag 2009.